Daniela Feller

Eine trollige Weihnachtsgeschichte

IMG_20191126_073330 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Daniela&nbsp;Feller)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheringgenberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>42</div><div class='bid' style='display:none;'>1116</div><div class='usr' style='display:none;'>19</div>

Aufgrund von Corona mussten wir den Jugendtreff Mitte Oktober 2020 schliessen. Die Weihnachtszeit habe ich genutzt um eine kurze Weihnachtsgeschichte zu verfassen. Diese soll die Zeit bis zur Wiedereröffnung des Treffs verkürzen.
Daniela Feller, Leiterin Jugendtreff,
Es waren einmal ein Troll, seine Frau die Trollin sowie das gemeinsame Kind Tröllchen. Gemeinsam lebten sie in den Bergen in einer idyllischen Höhle in einem abgeschiedenen Tal. Sie lebten dort aber nicht ganz alleine, sondern zusammen mit vielen anderen Trollen, welche ebenfalls über eigene, kuschelige Höhlen verfügten. In letzter Zeit war ihr gemeinsames Glück getrübt. In der Höhlengemeinschaft der Trolle herrschte Angst und Schrecken aufgrund von Gerüchten über ein kriegerisches Volk von Wichteln aus dem Seenland. Niemand wusste genau, ob man den Geschichten über diese Kreaturen glauben sollte oder nicht. Was aber das Schlimmste war, dass sich die Gemeinschaft der Trolle ab diesen Gerüchten aufspaltete in zwei Lager. Die einen waren der Meinung, die Wichtel seinen ja sicher nicht so schlimm. Die anderen waren der Meinung man sollte sich nun nicht von der Dorfgemeinschaft entfernen und zusammenbleiben. Viele Trolle sprachen gar nicht mehr miteinander, weil die Meinungen so auseinander gingen. Zudem herrschte Misstrauen gegenüber jedem und man vermutete hinter jedem Stein Verschwörungen und war andererseits stets in Angst, dass die Wichtel das Dorf aufsuchen könnten. Schlussendlich hatte der Obertroll entschieden, dass alle aus dem Trolldorf auf dem Gemeindegebiet zu bleiben hatten. Er war sehr in Angst um seine Mittrolle. Diese Entscheidung war für den Troll und seine Trollin sehr schlimm. So konnte er seiner Arbeit als Holzfäller im Nachbardorf bei den Elfen nicht mehr nachgehen. Mittlerweile wusste er nicht mehr, wie er seine Familie noch über die Runden bringen sollte. Zumal das Essen in der Höhlengemeinschaft immer knapper wurde und der nahe Dorfwald zum Jagen nicht mehr viel bot. Der Winter machte die Situation nicht besser. Die Trollin war zudem etwas enttäuscht konnte sie doch eine lang geplante Reise zu ihren Eltern in einem anderen Trolldorf nicht unternehmen. Gerne hätte sie diesen doch zum ersten Mal Tröllchen gezeigt, welcher nun mittlerweile mit seinen sieben Monaten schon so strark war, dass er kleine Bäume ausreissen konnte. Verständlich, dass es schwierig für die Trollin war, so einen starken kleinen Troll in der Höhle zu halten.

Eines Nachts verliess der Troll seine Höhle. Sein Herz war ganz schwer. Er wusste nicht mehr ein und aus. Einsam stapfte er durch den hohen Schnee in Richtung des Dorfwaldes. Er wusste nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Am meisten belastete ihn, dass wohl die grosse Dorfweihnacht am kommenden Tag ins Wasser fallen würde, da keiner im Dorf bereit war sich auf dem Sammelplatz einzufinden. Zu gross war die Angst vor den Wichteln, zu gross der Groll auf die Trolle, welche an die bösen Wichtel glaubten. Zudem war auch nicht klar, von was sie sich am Fest ernähren sollten, gingen die Vorräte nun langsam zur Neige. Für den Troll war die gemeinsame Weihnacht mit der Trollgemeinschaft immer sehr wichtig. Das gemeinsame Essen und Trinken, die schönen Gespräche und das Gefühl der Zusammengehörigkeit waren nicht zu übertreffen. Mittlerweile war der Troll an seinem Lieblingsstein im Wald direkt an einem kleinen Abgrund angekommen. Von dort aus konnte er das ganze Tal überblicken. Er seufzte. Warum nur musste sich die Trollgemeinschaft so uneinig sein? Warum konnte man trotz der eigenen Ansichten nicht aufeinander zugehen und sich zumindest für Weihnachten arrangieren und etwas Schönes veranstalten? Während er seinen Gedanken nachhing, merkte der Troll nicht wie sich langsam ein Licht näherte. Erst als der einsame Spaziergänger schon beinahe beim Troll war, schreckte dieser auf. Er erkannte in ihm einen Zwerg. Der Zwerg schien ihn gar nicht gross zu bemerken und hob etwas vom Boden auf. Danach wandte er sich urplötzlich an den Troll: "Was bist du so allein? Mitten in der Nacht? Und dies an Heiligabend?" Der Troll seufzte und blickte auf seine Schuhspitzen, bevor er von seinen Problemen zu erzählen begann. Der Zwerg hörte ihm aufmerksam zu. Als er fertig war fasste er mit seiner linken Hand in seine Tasche und holte den Gegenstand, den er vorhin aufgehoben hatte, hervor. Es handelte sich um einen weissen, runden Stein. Der Zwerg drücke ihn dem Troll in die Hand. Der Troll überlegte sich, was er wohl damit anfangen sollte, wagte aber nicht nachzufragen. Ehe er sich versah, war der Zwerg schon wieder verschwunden. Langsam machte er sich auf den Weg zurück in die Höhlengemeinschaft. Es brachte alles nichts, er musste noch etwas schlafen und schauen, wie er morgen den Tag ohne Weihnachtsfest über die Runden brachte.

Am kommenden Abend ass die Familie Troll gemeinsam Abendessen und versuchte nicht zu sehr traurig zu sein, über das nicht stattfindende Weihnachtsfest. Tröllchen konnte sich fast nicht auf sein mageres Stück Fleisch konzentrieren und blickte immer wieder in den Nebenraum der Höhle. Erst nach einiger Zeit bemerkten der Troll und die Trollin, dass etwas nebenan zu Leuchten begonnen hatte. Der Troll ging nachschauen und sah, dass der weisse Stein, welchen er achtlos irgendwo hingelegt hatte, so hell schien. Vorsichtig näherte er sich ihm und hob ihn auf. Er war angenehm warm und ein gutes Gefühl durchströmte den Troll. Behutsam brachte er ihn in die Küche, wo sogleich Tröllchen und die Trollin zu strahlen begannen. "Was ist das?", fragte die Trollin. "Den müssen wir den anderen zeigen." Der Troll nickte. Eilig zogen sie sich warm an und verliessen die Höhle. Kaum war das Leuchten auch bei den anderen Höhlen zu sehen, zeigten sich interessierte Trolle an den Eingängen. Schnell versammelte sich das ganze Dorf auf dem Dorfplatz. Alle empfanden aus dem Nichts das gleiche Gefühl wie der Troll. Sie waren von einer Wärme erfüllt und fühlten sich fröhlich. Es entstanden erste Gespräche und einige gingen ihn ihre Höhlen, um Essen zu holen. Andere gingen, um Getränke zusammen zu suchen. Plötzlich brachte der Obertroll einen Weihnachtsbaum, welcher von einigen Trollfrauen eilig geschmückt wurde. Niemand wusste wie ihnen geschah, aber alle genossen den Zusammenhalt. Niemand fragte genauer nach, warum denn einige noch so grosse Vorräte an Nahrungsmittel hatten. Man war einfach froh um die gute Stimmung. Langsam wurde ihnen bewusst, was ihnen vor allem gefehlt hatte: Die Gemeinschaft, das Zusammensein. So feierte die Trollgemeinschaft ein besonderes Weihnachten und wurde sich bewusst, dass man alleine nicht so stark war wie mit anderen. Von diesem Tag an, versuchte man die Situation gemeinsam durchzustehen. Man half einander aus mit den letzten Vorräten und versuchte das Beste aus dem Ganzen zu machen.

Einige Zeit später gab es Kunde im Dorf, von einem Elfen aus dem Nachbardorf, dass die Wichtel besiegt worden waren. Keiner wusste genau wie, warum und wieso. Aber man war froh sein altes Leben wieder zu haben. Nie würde man aber den starken Zusammenhalt in der Gemeinschaft wieder vergessen. Und wenn die Familie Troll nicht gestorben sind, so tragen sie die Wärme des Steins immer noch in sich und sind fröhlich.

Bereitgestellt: 28.12.2020     Besuche: 49 Monat 
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